Morbus Parkinson

Morbus Parkinson

 

Der Morbus Parkinson, bzw. die Parkinsonkrankheit, ist eine langsam fortschreitende neurologische degenerative (zurückbildende) Erkrankung. Betroffen ist bei dieser Erkrankung die nervliche Steuerung des Bewegungsapparates. (mehr dazu am Ende des Artikels)

Bei der Parkinson-Krankheit sterben in einer bestimmten Region des Gehirns, der Substantia Nigra (schwarze Substanz-ein Kerngebiet des Gehirns) Hirnzellen ab, die den Botenstoff (Neurotransmitter) Dopamin produzieren. Dadurch kann keine Impulsweitergabe an die nachfolgenden Nervenzelle erfolgen, der „Befehl bleibt stecken“.

 

Dadurch kommt es bei den Betroffenen der Erkrankung zu den typischen Symptomen (Kardinalsymptome):

1)    Akinese/Hypokinese/Bradykinese: Bewegungsarmut – wichtigstes Symptom der Parkinson-Erkrankung. Die Muskelarbeit ist insgesamt verlangsamt und äußert sich bei allen Bewegungen.

2)    Rigor: Muskelsteifheit durch die erhöhte unwillkürliche Anspannung

3)    Tremor: Muskelzittern durch wechselseitige Anspannung verschiedener Muskelgruppen

4)    Haltungsinstabilität: Durch fehlende Ausgleichbewegungen der Muskulatur sind die Patienten stark sturzgefährdet

 

Entstehung und Einteilung

Nach den Entstehungsursachen wird der Parkinson in 3 Formen eingeteilt:

1)    Idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS):

Mit 75% die häufigste Erkrankungsform, deren Herkunft bis heute nicht geklärt ist (idiopathisch)

 

2)    Sekundäres (symptomatisches) Parkinson-Syndrom:

Es wird z. B. ausgelöst durch Medikamente (manche Neuroleptika), Drogen, Schädel-Hirn Verletzungen (Boxer), Durchblutungsstörungen, Entzündungen und Giftstoffe.

 

3)    Atypisches Parkinson-Syndrom:

Auftreten der Kardinalsymptomatik in Zusammenhang mit anderen neurodegenerativen Erkrankungen, z. B. einer bestimmten Demenzform (Levy-Körperchen-Demenz)

Über diese Formen hinaus existiert noch das seltene familiäre Parkinson-Syndrom.

 

Verlauf und Symptomatik

Der M. Parkinson ist eine Erkrankung, die in den meisten Fällen im 5. bis 6. Lebensjahrzehnt beginnt, Erkrankungen in jüngeren Jahren sind eher selten. In Deutschland sind etwa 300 000 bis 400 000 Personen betroffen.

Die Krankheit bekam ihren Namen nach dem englischen Arzt James Parkinson, der bereits im Jahre 1817 die klassischen Symptome beschrieb und sie „Schüttellähmung“ nannte. Ebenfalls beschrieb er das langsame und stetige Fortschreiten der Krankheit.

Der Krankheitsbeginn ist schleichend und beginnt häufig mit den Symptomen:

-       Ungeschicklichkeit

-       Muskelschmerzen durch Verkrampfungen (beginnender Rigor)

-       Missempfindungen (nicht näher erklärbar)

-       Leiser werdende monotone Sprache (beginnende Akinese)

-       Mikrographie (kleine Schrift durch die beginnende Akinese)

-       Niedergeschlagenheit, gedrückte Stimmung

-       Minderung des Geruchssinnes

Später folgen, neben der Kardinalsymptomatik, weitere Symptome, die das Erscheinungsbild eines Parkinson-Patienten vervollständigen:

-       Fehlendes Mitschwingen der Arme (beim IPS besonders einseitig)

-       Salben- oder Maskengesicht

-       Trippelnder Gang

-       Gebeugte Körperhaltung

Darüber hinaus kann es noch zu einer Vielzahl weiterer körperlicher, psychischer und vegetativer Symptome wie z. B.:

-       Blasenfunktionstörungen (Pollakisurie, starker plötzlicher Harndrang, Drang-Inkontinenz)

-       Störungen des Verdauungstraktes (Durchfall, Verstopfungen)

-       Temperatur-Regulationsstörungen (Wärmeintoleranz, massive Schwitzanfälle)

-       Aufmerksamkeitsstörungen

-       Bradyphrenie (verlangsamtes Denken – führt in der Pflege der Patienten häufig zu falscher Einschätzung und Verwechslung mit Demenz)

-       Hohe Sturzgefahr (durch das typische Gangbild verunsichert, können die Patienten auch kaum eine Richtungsänderung vornehmen und Bewegungsabläufe nicht abstoppen)

-       Zahnradphänomen

 

Die Masse der möglichen auftretenden Symptome stellt die Betroffenen vor erhebliche Probleme zur Bewältigung des Alltages.

 

Diagnostik

Neben einer ausführlichen neurologischen Untersuchung gehören die bildgebenden Verfahren, wie z. B. das MRT, auch Ultraschall und diverse Blutuntersuchungen.

Gesichert wird die Diagnose häufig durch die Gabe von Dopamin in dem sogenannten L-Dopa-Test. Bessert sich danach die Symptomatik, gilt die Diagnose IPS als wahrscheinlich.

Zum Ausschluss anderer Parkinson-Formen erfolgen selbstverständlich weitere differentialdiagnostische Untersuchungen.

 

Therapie

Der Morbus Parkinson ist nicht heilbar, allerdings gibt es viele Therapieansätze um das Beschwerdebild zu erleichtern. Entscheidend für das therapeutische Vorgehen ist von vielen Faktoren abhängig, wie z. B. persönliche Situation, Beruf, Lebensalter, körperliche Verfassung usw.

Die wichtigste Medikation zur Behandlung der Symptomatik ist die Gabe des fehlenden Dopamins. Da das Dopamin in seiner reinen Form aber die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden kann, wird eine Vorstufe des Dopamins verabreicht – das L-Dopa. Dieses wird dann im Gehirn zu Dopamin umgewandelt. Kombiniert wird das L-Dopa mit einem sogenannten MAO-Hemmer, welcher den Abbau des Dopamins im Gehirn verzögert.

Da das L-Dopa aber im Laufe der jahrelangen Therapie unerwünschte Nebenwirkungen aufweist, wird zu Beginn der medikamentösen Therapie besonders bei jüngeren Patienten ein Dopaminagonist eingesetzt, ein Medikament, welches die  Dopaminrezeptoren stimuliert.

Weitere wichtige Therapieansätze bestehen in der

-       Physiotherapie

-       Logopädie

-       Ergotherapie

-       Psychotherapie

Auch der Schulung und Information der Familienangehörigen kommt eine große Bedeutung zu.

 

 

 

 

 

Anhang

 

Steuerung der Bewegung

 

Die Steuerung der Bewegung wird von bestimmten Anteilen des Gehirns initiiert und überwacht. Zu den Steuerungszentren gehören die motorische Hirnrinde, das Kleinhirn und die Kerngebiete im Hirn (Basalganglien). Die Impulse aus diesen Regionen laufen über bestimmte Nervenstränge zum Zielgebiet (d.h. zur Muskulatur, die eine bestimmte Bewegung ausführen soll). Die Nervenstränge werden nach ihrem Verlauf unterschieden: die Pyramidenbahnen (sie laufen über die Pyramidenfortsätze der Medulla oblongata / verlängertes Rückenmark) und das sogenannte extrapyramidal-motorische System = EPMS (alle Nervenstränge für die Bewegung, die nicht über die Pyramidenfortsätze laufen). Zusammen steuern diese beiden Systeme die Bewegungsabläufe, sowohl grob- als auch feinmotorisch, sie koordinieren die Bewegungen, die Spannung der Muskulatur, das Gleichgewicht, speisen automatisierte Bewegungsabläufe ein etc. Voraussetzung für einen ungestörten Ablauf der Bewegung ist eine ungestörte Übertragung der Nervensignale.

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